Sondertechnik im Fernmeldemuseum Bottmersdorf

Diese technischen Einrichtungen waren nur in bestimmten zentralen Vermittlungsstellen zur Realisierung von Sonderdiensten vorhanden.

Tonbandansagegestell

Das Tonbandansagegestell ,kurz Bandansage genannt, wurde 1959 gebaut und war im Fernmeldeamt Magdeburg (Endvermittlungsstelle 5) bis Ende der achtziger Jahre im Einsatz. Über diese Einrichtung wurden die Ansagedienste für Wetter und Straßenzustand  sowie der Lottozahlen in das Fernsprechnetz des ehemaligen Bezirkes Magdeburg eingespeist. Im Gestell können maximal fünf Tonbandgeräte mit Endloskassetten untergebracht werden. Die Ausgangssignale werden über Röhrenverstärker auf die aus dem Telefonnetz erreichbaren Ansagedienstumsetzer geschaltet. Die Bänder können aus der Ferne besprochen werden. Der hierzu erforderliche Aufsprechverstärker sowie der Löschgenerator befinden sich ebenfalls im Gestell.

Die Ansagedienste waren damals über folgende Rufnummern erreichbar:

·         162 Lottoergebnisse

·         163 Wetter- und Bauwetterbericht

·         164 Straßenzustandsbericht

Bild: v.l.n.r. Notrufgestell, Tonbandansagegestell, Gestelle vom System 50 klein

Bild: Tonbandgerät mit Endloskassette

Bild: Ansicht von hinten, Blick auf geöffnete Wiedergabeverstärker

Notrufgestell

Wie auch die Tonbandansageeinrichtung stammt das Notrufgestell aus der ehemaligen Endvermittlungsstelle 5 im Fernmeldeamt Magdeburg.  Dieses Gestell enthält die technischen Einrichtung zur Abstützung der Notrufe des Ortsnetzes Magdeburg für Polizei (110), Feuerwehr (112) und Deutsches Rotes Kreuz (115). Die Notrufeinrichtungen wurden direkt über den II. DGW (Dienstgruppenwähler) angesteuert und leiteten die ankommen Anrufe über die angeschlossenen Notrufleitungen zu den entsprechenden Zentralen weiter.

Das Gestell wurde gegen Ende der fünfziger Jahre gebaut und war bis Mitte der neunziger Jahre im Einsatz.

Bild: Bedienfeld Notrufeinrichtung für den Feuerwehrnotruf

Telegrammaufnahme

Bei der Telegrammaufnahme handelt es sich um zwei Gestellrahmen, die die Funktionalität des „Callcenters“ zur Aufnahme von Telegrammen für den Bereich des ehemaligen Bezirkes Magdeburg bereitstellten. D.h. diese Technik ermöglicht die Konzentration von vielen ankommenden Leitungen auf wenige Abfrageplätze. Befinden sich alle Abfrageplätze im Gesprächszustand, werden weitere Anrufer nicht mit einem Besetztzeichen abgewiesen, sondern gelangen auf das sogenannte Wartefeld, erhalten das Freizeichen und werden dem nächsten freien Abfrageplatz zugewiesen.  Die recht komplexe Funktionalität dieses „Callcenters“ ist ausschließlich durch Flachrelais und Drehwähler 34 realisiert.

Die Telegrammaufnahme war damals unter der Rufnummer 13 erreichbar.

Bild: Gestellrahmen der Telegrammaufnahme

Gestellrahmen mit Kassierumsetzern für Münzfernsprecher und ?

Dieser Rahmen gehört nicht zur Sondertechnik, ist aber an sich etwas Besonderes und wahrscheinlich einzigartig.  Das Gestell stammt aus der ehemaligen Endvermittlungsstelle 3 im Magdeburger Hauptpostamt und stand dort im HVt (Hauptverteilerraum).

Im unteren Bereich des Rahmens sind Kassierumsetzer für Ortsmünzfernsprecher untergebracht. Sie hatten die Aufgabe den Zählimpuls, der vom I. GW zum Gesprächzähler übertragen wird, so auf die Anschlussleitung umzusetzen, dass der Kassiermagnet im Münzfernsprecher bei Eintreffen eines Zählimpulses angesteuert wird und dadurch die eingeworfene Münze nach Beendigung des Gespräches in die Geldkassette fällt.

Bild: unterer Bereich des Gestells mit Kassierumsetzern

Im oberen Bereich des Rahmens sind  eine größere Menge Relaissätze mit jeweils zwei Relais untergebracht, deren Funktion uns bisher unbekannt ist. Technische Unterlagen zu diesem Gestellrahmen  sind leider nicht mehr vorhanden.  Aufgrund der Tatsache, dass über diesen Rahmen die Prüfschränke der zentralen Entstörungsstelle mit 60V versorgt wurden, liegt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei um ergänzende Prüfeinrichtungen handelt.

Bild: oberer Teil des Kassierumsetzer-Gestellrahmens mit unbekannter Funktion