Nebenstellenanlagen im Fernmeldemuseum Bottmersdorf

Die Palette reicht von einfachen Anlagen mit einer Haupt- und einer Nebenstelle bis zu mittleren Nebenstellenanlagen mit bis zu 70 Nebenstellen.

Unter Nebenstellenanlagen versteht man Haustelefonanlagen wie sie z.B. in Betrieben verwendet werden. Im privaten Bereich waren diese Anlagen auf Grund der höheren Anschaffungskosten eher selten anzutreffen. Wie bei der Amtstechnik, wurden in den Anfangsjahren der Fernsprechtechnik  Nebenstellenanlagen mit Handvermittlung eingesetzt. Typische Vertreter der handvermittelten Anlagen sind die sogenannten Klappenschränke, bei denen der Verbindungswunsch des Anrufenden der Vermittlungsperson durch eine Fallklappe angezeigt wird. Mit dem verstärkten  Aufbau des automatischen Fernsprechnetzes  in den zwanziger und  dreißiger  Jahren setzte sich der Wählbetrieb auch im Bereich der Nebenstellenanlagen mehr und mehr durch. Die Vermittlungskraft wurde durch die Wähltechnik entlastet und war letztendlich in vielen Fällen nicht mehr erforderlich. Heutzutage ist der Einsatz von Vermittlungspersonal nur noch in großen Unternehmen üblich. Die Hauptarbeit besteht dabei in der Abfrage von ankommenden Gesprächen aus dem öffentlichen Fernsprechnetz und deren Weitervermittlung. Der Verbindungsaufbau läuft dabei vollautomatisch. Wer die Rufnummer der gewünschten Nebenstelle kennt, kann bei den meisten modernen  Anlagen direkt durchwählen.

Klappenschrank  ZB SA 13

Der Klappenschrank ist für den Einsatz an ZB-Netzen (Zentralbatterie) mit SA-Betrieb (Selbstanschlussbetrieb) gedacht. Er ermöglicht das Anschalten von einer Amtsleitung und zwei Nebenstellen. Der Anruf wird  amtsseitig über eine Fallklappe und nebenstellenseitig über Schauzeichen signalisiert. Die Nebenstellen werden über einen  Kurbelinduktor gerufen, die Verbindungen werden, durch das Betätigen von Drehschaltern und Tasten, von Hand hergestellt.

Bild: Klappenschrank ZB SA 13                                                           

Klappenschrank von RFT Typ unbekannt

Dieser Klappenschrank ermöglicht das Anschalten von zehn Nebenstellen und zwei Amtsleitungen. Die Anrufsignalisierung der Nebenstellen und der Amtsleitungen erfolgt über Fallklappen. Die Verbindungen zu den Nebenstellen werden über Stöpsel-Schnüre von Hand hergestellt.

Bild: RFT Klappenschrank

Bild: Detailaufnahme Fallklappe

Zwischenstellenumschalter ZB SA 25

Der ZB SA 25 ermöglicht das Anschalten von einer Amtsleitung und einer Nebenstelle. Die Nebenstelle kann über Kurbelinduktor gerufen werden. Die Vermittlung von Amtsgesprächen vom Hauptapparat zur Nebenstelle wird durch Betätigen eines Drehschalters von Hand durchgeführt. Für abgehende Gespräche kann der Nebenstelle über den Hauptapparat die Amtsleitung zugewiesen werden. Der Verbindungsaufbau kann dann von der Nebenstelle selbst durch Wählen der gewünschten Rufnummer hergestellt werden.

Den Zwischenstellenumschalter gab es in einer Wand- und einer Tischausführung. Zur Tischausführung gehört ein Beikasten mit Wecker und Relais. Bei der Wandausführung sind alle erforderlichen Bauelemente im Apparat selbst untergebracht.  Die Speisung dieser kleinen Telefonanlage erfolgte in der Regel durch die Vermittlungsstelle über eine sogenannte Speisebrücke. Die Speisung über einen lokalen Gleichrichter war ebenfalls möglich. Je nach Variante müssen dazu entsprechende Brücken im Hauptapparat (Wandausführung) bzw. Beikasten (Tischausführung) eingelegt werden.

Bild: Zwischenstellenumschalter ZB SA 25 (Wandausführung)

Klein-Nebenstellenanlagen für Wählbetrieb

Bild: Klein-Nebenstellenanlagen für Wählbetrieb

Obere Reihe v.l.n.r.: R 1-1-1 (Deutsche Post), R 1-5-1, W 17a;

Untere Reihe v.l.n.r.: R  1-1 (Deutsche Reichspost), NEHA 1-10, W 10

Nebenstellenanlage R 1-1-1 (Deutsche Post)

Bei der Nebenstellenanlage R 1-1-1 handelt es sich um die kleinste Telefonanlage für Wählbetrieb, die bei der Deutschen Post der DDR im Einsatz war. Die Anlage ermöglicht den Anschluss von einer Amtsleitung, einer Hauptstelle und einer Nebenstelle.  Die Stromversorgung erfolgt aus dem öffentlichen Netz (220V, 50Hz). Bei Netzausfall ist nur noch abgehender Verkehr über die Amtsleitung möglich. Die Verbindungen zum Amt und zwischen Haupt- und Nebenstelle werden durch Relais (Flachrelais 48) hergestellt. Funktionen wie Rückfragen, Makeln sowie Anrufweiterschaltung bei Nichtmelden waren hier bereits zwischen Haupt- und Nebenstelle möglich. Die Rufwechselspannung wird aus dem Netz gewonnen. Ihre Frequenz beträgt daher 50 Hz im Gegensatz zu den üblichen 25 Hz. Hörzeichen (Frei-, Besetzt- sowie Hauszeichen) werden bei dieser Anlage nicht erzeugt.

Bild: Nebenstellenanlage R 1-1-1 (Gehäuse abgenommen)

Nebenstellenanlage R 1-1 der Deutschen Reichspost

Die Nebenstellenanlage R 1-1 entspricht im Wesentlichen der R 1-1-1 der Deutschen Post. Das Gehäuse der R 1-1 ist etwas größer als das der R 1-1-1, sicherlich auf Grund der größeren Bauform des Kupferoxydul-Gleichrichters. Die hier zu sehende Anlage stammt aus dem Raum Annaberg-Buchholz.

Bild: R 1-1 mit abgenommenen Gehäuse, links unten ist der Kupferoxydul-Gleichrichter zu erkennen

Nebenstellenanlage R 1-5-1

Diese Anlage ermöglicht den Anschluss von fünf Nebenstellen und einer Amtsleitung. Die Stromversorgung der Anlage erfolgt durch einen externen 24V-Gleichrichter. Hauptbauelemente der der Anlage sind  Flach- und Rundrelais. Die Auswertung der gewählten Ziffern zu den Nebenstellen erfolgt durch eine Relais-Zählkette. Im Gegensatz zur R 1-1-1 verfügt diese Anlage über eine eigene Hörzeichen- und Rufstromerzeugung. Die Hörzeichen entsprechen den heute noch üblichen Zeichen , jedoch ist an Stelle der heute gebräuchlichen 450 Hz ein Schnarren im Takte des jeweiligen Zeichens zu hören. Der Rufwechselstrom wird über einen Polwechsler (Flachrelais mit zusätzlichem Gewicht zur Reduzierung der Schaltfrequenz) mit einer Frequenz von ca. 25 Hz erzeugt.

Bild: Nebenstellenanlage R 1-5-1 mit abgenommenen Gehäuse

Bild: Blick auf das Polwechsler-Relais (PW)

Nebenstellenanlage NEHA 1-10

Die Nebenstellenhausanlage (NEHA) für eine Amtsleitung und zehn Nebenstellen ist im Aufbau und der Funktionsweise  der R 1-5-1 sehr ähnlich. Es handelt sich hierbei um eine Entwicklung von Siemens aus den dreißiger Jahren. Unsere NEHA 1-10 stammt aus dem Raum Annaberg-Buchholz .

Bild: Polwechsler-Relais NEHA 1-10

Bild: Innenansicht NEHA 1-10

Nebenstellenanlage W 17a

Hierbei handelt es sich um eine Nebenstellenanlage mit einer Amtsleitung und sechs Nebenstellen. Das „W“ im Namen steht für Wählernebenstellenanlage, d.h. die Durchschaltung der Verbindungen und die Auswertung der gewählten Ziffern erfolgt bei dieser Anlage durch Wähler. In dieser Anlage kommen der Drehwähler 34 und der Drehwähler 27 zum Einsatz, welche durch Flachrelais gesteuert werden. Für die Stromversorgung ist ein externer Gleichrichter für 24 V erforderlich. Rufstrom- und Hörzeichenerzeugung sind über einen Polwechsler und einen Langsamunterbrecher (LU) in Form eines Drehwählers 27 realisiert.

Bild: W17a Innenansicht

Mittlere Nebenstellenanlagen für Wählbetrieb

Bild: Nebenstellenanlage W43b                             Bild: Nebenstellenanlage NEHA 5-50

Bild: Nebenstellenanlagen v.l.n.r. MSN70 und W 5-25

Nebenstellenanlage W43b

Hierbei handelt es sich um eine Wählernebenstellenanlage mit 15 Nebenstellen und zwei Amtsleitungen. Die Anlage wurde 1937 von DeTeWe gebaut und stammt aus Wittenberge/Elbe. Die Rufwechselspannung sowie die Hörzeichen werden durch eine Ruf- und Signalmaschine (RSM) erzeugt. Die Auswertung der gewählten Rufnummer erfolgt über Drehwähler (DW34), gesteuert durch Flachrelais. Die gesamte Anlage befindet sich in einem Schrank von 1,5m x 0,9m x 0,3m und wiegt  ca. 100Kg. Die Anlage befindet sich in einem sehr guten Zustand und ist voll funktionsfähig.

Bild: Deckblatt Abbildungen W43b                        Bild: W43b mit Vermittlungsstation

Bild: Belegung des Gestells

Bild: Blick auf die beiden Leitungswähler (Drehwähler 34) der W43b

Bild: Firmenlogo am W43b Gestell unten rechts

Bild: Ruf-und Signalmaschine (RSM) der W43b von T&N mit Hörtonerzeugung über Tonrad

Nebenstellenanlage NEHA 5-50

Die Nebenstellenhausanlage 5-50 wurde in den fünfziger Jahren gebaut und besteht aus zwei Gestellen ca. 2 m hoch und 0,5 m breit. Die Anlage ermöglicht die Anschaltung von fünfzig Nebenstellen und fünf Amtsleitungen. Die gewählten Ziffern werden über Hebdrehwähler ausgewertet. Für die Ruf- und Hörzeichenerzeugung ist hier ebenfalls eine Ruf- und Signalmaschine vorhanden. Zur Stromversorgung ist ein separater 24V-Gleichrichter erforderlich. Besonders interessant ist der Einsatz von Motorrelaisunterbrecher zur Fortschaltung der Anrufsucher. Die Anlage stammt aus dem Raum Bremen und war in einem Krankenhaus im Einsatz.

Bild: Leitungswähler (Typ Hebdrehwähler 27) aus der NEHA 5-50 für 24V

Bild: Motorrelaisunterbrecher der NEHA 5-50

Nebenstellenanlage W 5-25

Bei der Anlage W 5-25 handelt es sich um eine Wählernebenstellenanlage aus dem Jahr 1959 für 25 Nebenstellen und fünf Amtsleitungen. Die Anlage ist in Schrankbauweise ausgeführt und steht auf zwei Betonfüßen. Zur Auswertung der Wahlinformationen werden ausschließlich Drehwähler 34 eingesetzt. Im unteren Bereich der Anlage ist eine Ruf- und Signalmaschine (RSM) zur Rufstrom- und Hörzeichenerzeugung untergebracht. Zur Anlage gehört ein spezieller Vermittlungsapparat, über den ankommende Gespräche  abgefragt und zu den gewünschten Nebenstellen weiter vermittelt werden können. Unsere W 5-25 war bis zur Übernahme im Jahr 2010 in Dippoldiswalde, OT Reichstädt im Einsatz.

Bild: Typenschild

Bild: Innenansicht W 5-25                                          Bild: Deckblatt der Unterlagen

Mittlere Schalternebenstellenanlage 70 (MSN 70)

Wie sich aus dem Namen der Anlage bereits erahnen lässt, handelt es sich hier um eine Nebenstellenanlage  in der Koordinatenschalter zur Durchchaltung der Sprechverbindungen verwendet werden. Die gewählten Ziffern werden über Relaiszählketten ausgewertet. Danach wird die Wahlinformation dem Markierer (eine komplexe Relaisschaltung) übergeben, der dann das Koppelfeld der Anlage, bestehend aus vier Koordinatenschaltern gemäß dem Verbindungswunsch ansteuert und durchschaltet. Unsere Anlage stammt aus Hasselfelde, wurde  1989 gebaut und wiegt  im Vollausbau ca. 650Kg. Die Anlage besteht aus zwei ausklappbaren Gestellrahmen. Die Ruf- und Signalversorgung sowie der Hauptverteiler der Anlage sind rechts hinter dem ersten Gestellrahmen untergebracht.

Die MSN 70 wird über einen eingebauten 60V-Gleichrichter betrieben (hier  leider nicht mehr vorhanden). Die Rufwechselspannung sowie die Hörzeichen werden über eine vollelektronische Ruf- und Signalversorgung (RSV) erzeugt. Zum Schutz gegen unberechtigte Auslandsverbindungen  ist die Anlage mit einer vollelektronischen Sperre für den internationalen Selbstwählferndienst (ISWFD) ausgestattet.

Bild: MSN 70 geöffnet, Blick auf den vorderen Gestellrahmen

Bild: Blick auf den hinteren Gestellrahmen mit Amtsumsetzern, rechts ist der Hauptverteiler, darunter die RSV zu sehen

Bild: Vermittlungsstation MSN 70

Bild: Koordinatenschalter

Bild: Detailaufnahme eines Koppelpunktes des Koordinatenschalters